4 x 24 Stunden Düren – (M) Ein Buchprojekt

Dies war ein wahrhaftig sehr anstrengendes Projekt mit überaus anstrengenden Menschen, welches mich jahrelang begleitete und an das ich mich nur sehr ungern erinnere.
Dennoch gehört es zu meinem Portfolio wie die Fotografie, die Malerei, die Zeichnung, der Text oder die Musik. Ich war mit diesem Projekt 2 x im WDR-Fernsehen… einmal davon hatte ich sogar eine Liveschalte zur besten Sendezeit. Radiosendungen wurden produziert und in den lokalen Zeitungen wurde oft darüber berichtet.

Wie gesagt, ich erinnere mich nur sehr ungern daran.

Als das erste der 1000 Bücher gedruckt war, schrieb ich folgende Zeilen…

„Da liegt es vor mir… das allererste Exemplar… der Rest wird morgen ausgeliefert. So heißt es.
Schön ist es geworden.
Eine tolle Idee war es, und ein gutes Konzept.
Dieses Projekt sollte mich unglaubliche vier Jahre meines Lebens begleiten und mir sollten während dieser Zeit viele graue Haare wachsen.
Aber schön ist es geworden.
Schön – trotz allen Höhen und Tiefen, die ein Projekt mit sich bringen kann. Es ist zu viel politisiert worden, zu viel Schi Schi ist betrieben worden, dazu, mit allerlei Pipapo. Fast wäre der Sinn abhanden gekommen.
Aber – schön ist es geworden. Keine Frage.
Wahrscheinlich hätte es schöner werden können. Wahrscheinlich hätte es das beste Buch der Welt werden können. Vielleicht.
Aber so, ist es nur schön.
Was heißt nur? Gut ist alleine die Tatsache, dass es ist. Sah manchmal und nicht immer danach aus.
Wir haben es gestoppt… beim Studium der Reinzeichnung… liest man… und schaut man… es ergeben sich bei zügigem Vorgehen 1,5 Stunden Kurzweil. Es geht auch quer, oder von vorne bis hinten. Natürlich auch umgekehrt.
Mit 24 Freiwilligen startete ich das Projekt. Fotografen, Maler & Zeichner, kreative Schreiber.
Zuletzt waren es noch 15.
Einer verstarb sogar während dieser langen Zeit.

15 verblieben. Immerhin.
Zu jeder Jahreszeit 24 Stunden am Stück in Dürens Straßen unterwegs. Vielleicht war es eine zu große Zumutung?

Jedoch… das Ego Einzelner brachte das Projekt fast um.
Verrückte Sache und so gar nicht nachvollziehbar. Wahrscheinlich muss es so sein und wahrscheinlich gehört es einfach dazu. Wie (auch) immer…

Es ist schön geworden, das Buch, für Düren. Anders. Keine Postkartenmotive wie tausendfach erbrochen.
Dennoch schön.
Was mag nun mit diesem Buch geschehen? Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal. Zumindest in diesem Moment. Glaube ich.
Frust? Nein.
Eher Freude über den freigewordenen Platz in meinem Kopf.
Und da liegt es nun vor mir, das allererste Exemplar das die Druckerei verließ. Freue ich mich darüber? Ja. Und ich freue mich darüber, dass es nun endlich vorbei ist.
Der Rest wird morgen ausgeliefert… heißt es. 1000 Exemplare.
Gegen Ende der Projektzeit wurde ich oft gefragt, ob ich ein solches Projekt nochmals durchführen würde.
NEIN! AUF GARKEINEN FALL!“

Das war glaube ich der erste fast ganzseitige Artikel in der Dürener Lokalzeitung zum Projekt

Seit dieser Erfahrung gilt für alle meine Projekte, an denen weitere Kunstschaffende teilnehmen: ERST DIE KUNST – DANN DAS EGO!

Jo

- Düren based artist - exhibition maker - independent curator

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